Modellprojekt „world wide antisemitism“

gegen Antisemitismus im Netz

Antisemitismus ist keine Ideologie unter vielen, sondern wegen seiner gesellschaftlichen Verwurzelung und Tradierung sowie seiner Wandlungsfähigkeit ein einzigartiges „Welterklärungssystem“. Nach 1945 war der explizite, offene Antisemitismus tabuisiert und zeigte sich vornehmlich in kodierter Form. In den letzten Jahren tritt er jedoch immer offener zutage. Hierbei spielt das Internet eine entscheidende Rolle. Eine Forschungsgruppe um Monika Schwarz-Friesel an der TU Berlin veröffentlichte vergangenen Juli Forschungsergebnisse zum Antisemitismus im digitalen Zeitalter. Sie wies nach, dass der „Kommunikationsraum Internet“ heutzutage der primäre Multiplikator für Antisemitismus ist:

„Durch die Spezifika der Internetkommunikation (…) und die steigende Relevanz der sozialen Medien als meinungsbildende Informationsquelle in der Gesamtgesellschaft hat die schnelle, ungefilterte und nahezu grenzenlose Verbreitung judenfeindlichen Gedankenguts allein rein quantitativ ein Ausmaß erreicht, das es nie zuvor in der Geschichte gab.“1

Das Modellprojekt „world wide antisemitism“ zielt darauf, junge Menschen für antisemitische Narrative zu sensibilisieren, sie in ihrer Medienkompetenzentwicklung zu unterstützen und ihre Debatten- und Diskussionskultur in einem demokratiefördernden Sinne zu begleiten.

Hierbei kommen mit den Bereichen Antisemitismus, Verschwörungsideologien, Nahostkonflikt und Online-Kommunikation zwar eng miteinander verwobene, aber dennoch unterschiedliche und jeweils äußerst komplexe inhaltliche Schwerpunkte zusammen. Eine Projektwoche erscheint für eine tiefgehende, konstruktive und nachhaltige Bearbeitung dieser Themenvielfalt als das geeignetste Format.  Daher werden wir im Jahr 2019 eine Projektwoche zu Antisemitismus im Internet für Schulen konzipieren und erproben.

Entlang eben jener Inhalte werden Jugendliche in der Projektwoche mit folgenden Fragen konfrontiert sein:

Welche antisemitischen Akteure gibt es im Internet, was ist ihre Agenda? Kann man bezüglich Antisemitismus im Internet Muster entdecken und Zusammenhänge mit der eigenen Lebenswelt erkennen? Wie erlebt man die gesichtslose Konfrontation mit angeblich absoluten Wahrheiten? Wie kann man reagieren, wenn Freund*innen antisemitische Inhalte teilen?

Die Projektlaufzeit ist vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2019. Für diesen Zeitraum konnte Spiegelbild einen neuen Mitarbeiter einstellen.

Ansprechpartner bei Spiegelbild:
Thure Alting
Telefon: 0611 – 26759085
E-Mail: thure.alting@spiegelbild.de

1 Schwarz-Friesel, M.: Antisemitismus 2.0 und die Netzkultur des Hasses – Langfassung. Berlin: TU Berlin – Institut für Sprache und Kommunikation, 2018. S. 2