Der 7. Oktober 2023 markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte Israels und im Leben von Jüdinnen und Juden weltweit. An diesem Tag ermordeten Terroristen der Hamas mit ihren Verbündeten rund 1.200 Menschen in Israel. 251 Kinder, Frauen und Männer wurden in den Gazastreifen verschleppt. Das vielfach dokumentierte Massaker hat bei Jüdinnen und Juden weltweit Trauer, Angst und Fassungslosigkeit ausgelöst. In Deutschland haben antisemitische Bedrohungen und Gewalttaten seitdem massiv zugenommen.
Drei Jahre später droht die kollektive Erinnerung an das Geschehen hinter politischen Auseinandersetzungen zu verschwinden. Das Massaker wird relativiert, umgedeutet oder sogar geleugnet.
Von den 251 Geiseln konnten 168 lebend befreit werden. Doch mit ihrer Rückkehr sind das Leid und die Folgen des 7. Oktober nicht vorüber. Wie lässt sich nach dem 7. Oktober weiterleben? Wie können wir an die Ermordeten und Verschleppten erinnern, ohne die Überlebenden auf das ihnen zugefügte Leid zu reduzieren? Und was bedeutet gemeinsames Erinnern in einer Gegenwart, in der der 7. Oktober relativiert und jüdisches Leben erneut bedroht wird?
Wir gedenken der Menschen, die am 7. Oktober ermordet, als Geiseln verschleppt wurden und in Gefangenschaft starben.
Wir gedenken ebenso aller unschuldigen Opfer des darauffolgenden Gazakriegs. Unser Mitgefühl gilt allen Menschen, die unmittelbar von diesem Leid betroffen sind. Wir bringen unsere Solidarität mit der Zivilbevölkerung und den Friedensbewegungen in der gesamten Region zum Ausdruck.
Angesichts des eskalierenden Antisemitismus gilt unsere besondere Solidarität Jüdinnen und Juden weltweit – und hier in Wiesbaden.
Die Veranstaltung ist kein Streitgespräch über den Nahostkonflikt. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen der Betroffenen, das Zuhören und das gemeinsame Erinnern. Zu Beginn sprechen der Wiesbadener Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende und die Präsidentin des Hessischen Landtags, Astrid Wallmann.
Anschließend hören wir Stimmen aus Israel. Neben einem Beitrag von Rafi Saar, dem Bürgermeister von Kfar Saba, der israelischen Partnerstadt Wiesbadens, und Gary Kaplan, ein Kollege der Gewerkschaft Histadrut, kommen vor allem Überlebende des Angriffs auf den Kibbutz Nir Oz und mit Überlebenden der Geiselhaft zu Wort. Wir wollen ihnen zuhören, ihren Erfahrungen Raum geben und gemeinsam erinnern. Mit ihnen fragen wir, was Weiterleben nach dem 7. Oktober bedeutet – für die Einzelnen, für die Gemeinschaften und für jüdisches Leben heute.
