Podcast: 90 Jahre spanischer Bürgerkrieg

90 Jahre nach Beginn des Spanischen Bürgerkriegs widmet Spiegelbild dem Thema eine kleine Gesprächsreihe. Wir werfen unterschiedliche Blicke auf den Krieg: auf die Zweite Republik, den Militärputsch, internationale Solidarität, deutsche Verantwortung, innerlinke Konflikte und die bis heute wirkmächtige Erinnerung an den Krieg. Der Spanische Bürgerkrieg war nicht nur ein Vorbote des Zweiten Weltkriegs, sondern auch ein zentraler Bezugspunkt antifaschistischer, sozialistischer, anarchistischer und demokratischer Bewegungen. Zugleich ist seine Erinnerung bis heute von Legenden, Projektionen und politischen Deutungskämpfen geprägt.

Die Reihe fragt daher: Was lässt sich aus der Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs heute noch lernen? Welche Rolle spielten deutsche Akteure auf Seiten Francos und auf Seiten der Republik? Wie wurden faschistische und stalinistische Gewalt, Verrat, Solidarität und Hoffnung literarisch und politisch verarbeitet? Und was erzählen die Lebenswege der Wiesbadener Spanienkämpfer Paul Schmiedel und Günther Berkhahn über Antifaschismus, Exil, Verfolgung und die schwierige Anerkennung nach 1945?

Folge I mit Alex Carstiuc

Die Blaupause des Zweiten Weltkriegs:
Republik, Revolution und Verrat

Das Gespräch mit Alex Carstiuc zeichnet die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen der Zweiten Republik nach, rekonstruiert den Militärputsch vom Juli 1936 und folgt dem Verlauf eines Krieges, dessen Bedeutung weit über Spanien hinausreichte. Der Spanische Bürgerkrieg wurde zum Schauplatz internationaler Solidarität, aber auch zum Vorzeichen des kommenden europäischen Krieges. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Verrat der westlichen Demokratien. Die Politik der sogenannten Nichteinmischung schwächte die Republik massiv, während Deutschland und Italien Franco militärisch unterstützten. Die Geschichte hätte ein anderes Ende nehmen können, wenn die demokratischen Staaten Europas die spanische Republik nicht isoliert hätten. Zugleich richtet das Gespräch den Blick auf die Ambivalenzen und Tragödien der republikanischen Seite, auf ihren Kampf gegen den Faschismus, aber auch auf stalinistischen Terror, innerlinke Repression und die Verfolgung oppositioneller Linker. Nach 1939 setzte sich die Tragik vieler Spanienkämpfer fort. Exil, Internierung, Verfolgung und in vielen Fällen die erneute Konfrontation mit Faschismus und Krieg.

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Folge II mit Thomas von der Osten-Sacken

Hoffnungen und Mythen:
Die Rezeptionsgeschichte des Spanischen Bürgerkriegs

Das Gespräch mit Thomas von der Osten-Sacken widmet sich dem Spanischen Bürgerkrieg als frühem Medien- und Weltanschauungskrieg. Journalist:innen, Schriftsteller:innen und Intellektuelle aus aller Welt verfolgten die Kämpfe in Spanien mit großer Aufmerksamkeit, berichteten nahezu in Echtzeit und prägten damit die Wahrnehmung des Konflikts weit über Europa hinaus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Reportagen, Literatur, Bilder und politische Propaganda den Krieg deuteten und zuspitzten. Spanien wurde zur Projektionsfläche sehr unterschiedlicher Hoffnungen und Ängste. Für viele stand die Spanische Republik für die Verteidigung von Demokratie, Freiheit und sozialer Emanzipation gegen Faschismus, Militärputsch und autoritäre Gewalt. Gerade deshalb wurde der Krieg früh zu einem europäischen und internationalen Schlüsselereignis. Das Gespräch fragt auch nach den Nachwirkungen dieser Erzählungen. Welche Bilder vom Spanischen Bürgerkrieg prägen unsere Erinnerung bis heute?

Folge III

Wiesbaden, Marseille, Barcelona:
Die Lebensgeschichten Wiesbadener Spanienkämpfer

In der dritten Folge begeben sich Jana Müller und Thure Alting auf Spurensuche in Wiesbaden. Im Mittelpunkt stehen Paul Schmiedel und Günther Berkhahn, zwei Wiesbadener, deren Lebenswege von politischer Verfolgung, Exil und dem Kampf gegen den Faschismus geprägt waren. Von Wiesbaden aus führen ihre Geschichten nach Marseille, Paris und Barcelona, in die Milizen und Institutionen der Spanischen Republik, aber auch in französische Internierungslager und später zurück nach Deutschland. Schmiedel kämpfte in Spanien auf Seiten der POUM, Berkhahn arbeitete als Zeichner, Topograf und Beobachtungsoffizier für die Republik. Beide Biografien zeigen, wie unterschiedlich der Einsatz für das republikanische Spanien aussehen konnte.
Die Folge erzählt von antifaschistischer Solidarität und politischer Hoffnung, aber auch von Armut im Exil, innerlinken Konflikten, stalinistischer Verfolgung, Niederlage und erneuter Verfolgung nach 1939. Zugleich fragt sie nach dem schwierigen Nachleben dieser Erfahrungen im Postnazismus. Was bedeutete Anerkennung für Menschen, die gegen den Faschismus gekämpft hatten, nach 1945 aber um Entschädigung, Erinnerung und gesellschaftliche Würdigung ringen mussten?

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