Spurensuche mit der Rudolf-Dietz-Schule

Am 24.2. besuchte eine vierte Klasse der Rudolf-Dietz-Schule in Naurod im Rahmen ihrer Unterrichtseinheit „Dunkle Zeit“ das Aktive Museum Spiegelgasse, um von dort aus gemeinsam mit Spiegelbild eine Spurensuche in Wiesbaden zu machen und verschiedene Erinnerungsorte der deutsch-jüdischen Geschichte zu entdecken.

Nach einer kurzen Erkundung des Aktiven Museums in Kleingruppen hatten die Schüler_innen, die aufgrund des Schulunterrichtes schon ein recht umfangreiches Wissen über die NS-Zeit hatten, zunächst die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Diese waren zum Teil reine Wissensfragen, zeigten jedoch auch eine Beschäftigung der Kinder mit den Hintergründen und Handlungsmotiven dieser Zeit und den Menschen.

Kurz darauf machten sich dieselben Kleingruppen mit neuen Aufgabenmappen auf den Weg in die Stadt. Die Hinweise führten jeweils eine Gruppe zu Stolpersteinen in der Wagemannstraße, zur Gedenkstätte am Michelsberg, zum Geschwister-Stock-Platz und zum Deportationsmahnmal Schlachthoframpe, wo wieder Fragen und Aufgaben zu bearbeiten waren. Natürlich sollten die Gruppen sich vor allem auch damit beschäftigen, welche Gefühle durch den Besuch der Erinnerungsorte in ihnen ausgelöst wurden und welche Bedeutung die Geschichte für sie hat oder haben könnte, was den Kindern jedoch teilweise gar nicht so leicht fiel. Nachdem in der großen Runde alle Videos und Fotos gezeigt worden waren, die die Kleingruppen an ihren Zielorten gemacht hatten, blieb noch Zeit für ein Gespräch, an dem sich sowohl die Klasse als auch die begleitenden Lehrerinnen und Mütter beteiligten. Auch hier wurde deutlich, dass das Thema in der Schule schon in großem Umfang behandelt wurde und auch dort schon Diskussionen geführt wurden, auf die die Teilnehmenden im Gespräch Bezug nahmen. Auch Zusammenhänge zu den im Unterricht verwendeten Lektüren wurde hergestellt, um die neuen Erfahrungen und Informationen einordnen zu können.

Die Rudolf-Dietz-Schule behandelt als eine der wenigen Grundschulen das Thema der NS-Zeit aufgrund der antisemitischen Texte ihres Namensgebers. So war das Konzept der Spurensuche, das eigentlich Jugendliche ansprechen soll, für manche der Kinder, die mehr Spiel und Action, bzw. möglicherweise auch mehr „Detektivarbeit“ erwartet hatten, wohl teilweise zu „trocken“. Dennoch wurde durch der Besuch der Erinnerungsorte deutlich, dass der Nationalsozialismus nicht nur in Geschichtsbüchern steht, sondern den Alltag ganz normaler Menschen beeinflusste, die wie die Teilnehmenden selbst hier in Wiesbaden wohnten, was neue Bezüge und Möglichkeiten des Verständnis für die Schüler_innen eröffnet und möglicherweise weiteres Interesse an der Geschichte „ihrer“ Stadt Wiesbaden weckt.