Fachtag „Herausforderung Vielfalt“

16.11.2012, Frankfurt am Main

Das Paritätische Bildungswerk Hessen veranstaltete diesen Fachtag gemeinsam mit Spiegelbild und der vhs Rheingau-Taunus. Angesprochen waren Lehrkräfte und andere in der Bildung Verantwortliche.
titelNach einer Einführung durch Ilse Weissert vom Höchster Bildungsschuppen stellte Hendrik Harteman das Konzept der Fortbildung „Herausforderung Vielfalt – Bildung im Wandel“ vor. Zur Vertiefung der Teilnehmenden fanden zwei Workshops statt, die hier folgend vom Paritätischen Bildungswerk dokumentiert sind.

Workshop 1: „Kultur und Kulturalisierung“ / Stefanie Kruse
In diesem Workshop sollte ein kritischer Blick auf die Unterscheidung von „Uns“ und den „Anderen“ geworfen werden. Was hat es mit einer Trennung der „eigenen“ Gruppe von einer unspezifischen „anderen“ Gruppe auf sich?
Nach einer Vorstellungsrunde wurde in einer Diskussion festgestellt, dass bei Lehrern immer wieder die „Kultur“ als Erklärung herhalten musste, wenn Sie einer Situation nicht gewachsen waren, bzw. sich das Verhalten nicht erklären konnten. In einer praktischen Übung versuchten wir eine Klärung des Kulturbegriffs. Auf einer Leiste am Boden zwischen 100 und 0 % wurden Begriffe gelegt, die jede Person gezogen hatte, mit einer Begründung warum dieser Platz.
In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass es kein übergreifendes verbindliches Verständnis von Kultur gibt, sondern die Definition von der jeweiligen Gruppe bestimmt wird.1
Warum wird der Begriff Kultur trotzdem immer wieder für Zuschreibungen benutzt?
In einer Kommunikationsmatrix, die Sender + Empfänger jeweils in einer mehrheits- oder Minderheitsrolle und den jeweiligen Nutzen einer Nachricht für diese beiden Rollen darstellt, kann man erkennen, dass die Kulturalisierung jeweils von beiden Seiten, der Mehrheit wie auch der Minderheit, für ihre Interessen genutzt werden kann und auch wird.
Als angemessene pädagogische Reaktion auf diese schleichende Kulturalisierung als einer Methode eigene Interessen durchzusetzen, wurde immer wieder darauf verwiesen, die Anerkennung, Akzeptanz und Wertschätzung der Teilnehmer als wichtigste Voraussetzung für gelingende Pädagogik angesehen werden muss.

Workshop 2: „Gesellschaft und Individuum“ / Hendrik Harteman
Auf einer anderen Ebene, aber inhaltlich ähnlich vollzog sich die Arbeit im Workshop 2. Aufgehangen an dem Begriff des „Milieus“, als einer Kategorie die eine Zuordnung vornimmt ohne auf die individuelle Person zu schauen, die aber gerne im Alltagsleben und vor allem in der Schule verwendet wird um Schülergruppen zu identifizieren.
Weiter wurde auch z.B. in der Böll-Studie festgestellt, dass es in Deutschland keine Durchlässigkeit zwischen den sozialen Schichten (oder Milieus) möglich ist und dies auch in den Schulen repräsentiert wird. D.h. größere Wechsel zwischen den Schulformen finden nicht statt, und wenn dann höchstens eine nach unten gerichtete Spirale, die die Schüler eher aussortiert und als Schulversager zurück lässt.
Notwendig und wichtig ist der Rekurs auf Ressourcen der Person. Im Workshop erarbeitet Hendrik Harteman mit den Teilnehmern deren eigene Ressourcen und sortiert sie in: ökonomische, soziale und kulturelle. Heraus kam ein breites Spektrum an Ressourcen, wobei in diesem Fall die ökonomischen recht homogen waren.3_klein Die Ressourcen stellen das pädagogische Potential dar mit dem vielfältig gearbeitet werden kann und muss, denn die Durchlässigkeit des Systems muss aufgrund demographischer Entwicklung verbessert werden, will man nicht stagnieren.
Hilfreich war auch die Erkenntnis für Pädagogen, das Verhalten oder Merkmale einer Gruppe zu verändern ist schier unmöglich, ändern kann ich nur meine Einstellung zu diesen Personen um eine bessere gemeinsame Arbeit herzustellen.

Ergebnisse in der Abschlussdiskussion
Kultur hat sich als sehr relativer Begriff erwiesen, wenig tauglich für die pädagogische Arbeit.
Wichtig wäre mehr in Richtung des Gelingens von pädagogischer Handlung zu schauen, um daraus mögliche Orientierungen zu gewinnen. Wenn wir uns nicht selber ändern, werden wir auch keine Veränderung schaffen. Wir sind selbst unser eigenes Werkzeug bei der Veränderung von uns und auch der direkten sozialen Beziehungen. Aus eigenen Fehlern lernen, evtl. durch Fallberatungen und ähnliche Angebote in den Schulen.