Deutsch-Israelische Jugendbegegnung Mail@More

Seit dem Jahr 2015 führt Spiegelbild die Deutsch-Israelischen Jugendbegegnung Mail@More durch. Partner sind das Kinderheim Neve Hanna in Kiryat Gat und die Heinrich-von-Kleist-Schule in Wiesbaden.
Pro Schuljahr bekommt eine feste Gruppe Schüler*innen der Heinrich-von-Kleist-Schule aus der Jahrgangsstufe 8 die Chance, Teil einer Deutsch-Israelischen Jugendgruppe zu werden, die sich im Laufe eines Schuljahres jeweils einmal in Israel und einmal in Deutschland für 10 Tage begegnet. Dank unserer Förderer ist das Projekt so aufgestellt, dass die Teilnahme unabhängig vom Einkommen der Eltern möglich ist. Begleitet wird die Gruppe durch unser eingespieltes Team. Dabei begleiten dreisprachige Sprachmittler*innen die Gruppe in beiden Ländern während des gesamten Jahres. So stehen den Jugendlichen während der Begegnungen wenn nötig stets vertraute Ansprechpartner*innen in deutscher und hebräischer Sprache aus Kiryat Gat und Wiesbaden zur Seite.

Unser Ziel ist es, eine echte Begegnung zu ermöglichen. Diversität und Anerkennung stehen als Themen im Vordergrund. Der Fokus liegt auf dem Kennenlernen unterschiedlicher Lebensentwürfe und -perspektiven vor dem Hintergrund der besonderen deutsch-israelischen Beziehungen. In der Gruppe entsteht eine Atmosphäre, die es den Jugendlichen ermöglicht, eigene Vorurteile zu hinterfragen, sich ohne Angst neuen Herausforderungen zu stellen und neue Handlungsweisen zu erproben. So wird die Identitätsentwicklung der Jugendlichen unterstützt.

Im Rahmen des Wahlpflichtunterricht werden die Begegnungsfahrten in Israel und der Besuch des israelischen Teils der Gruppe in Deutschland intensiv vor- und nachbereitet. Neben Unterrichtsinhalten zu Themen wie Religion und Geschichte, haben die Schüler*innen Gelegenheit, auch die Englischkenntnisse zu vertiefen und sich mit Themen wie Vorurteilen, demokratischen Aushandlungsprozessen, und Antisemitismus auseinander zu setzen.

Im Frühjahr findet eine gemeinsame Reise nach Israel statt, bei der sich erstmals die gesamte Gruppe kennen lernt. Das erste Mal fliegen und von zu Hause entfernt sein, in einem Land sein in dem man die Sprache nicht kennt. Sich sicher in einer Gruppe fühlen und bedingungslos als „die deutsche“ Gruppe anerkannt und angesprochen werden, dies sind auszugsweise jedoch die tiefsitzenden erste Male und intensiven Erlebnisse mit denen sich die Wiesbadener Jugendlichen auseinandersetzen und von uns pädagogisch begleitet werden.
Dabei stehen gemeinsame Aktivitäten im Mittelpunkt. Nach den ersten Tagen in Kiryat Gat, während denen die Wiesbadener Jugendlichen das alltägliche Umfeld der Jugendlichen aus Neve Hanna kennen lernen, macht sich die Gruppe auf zu einer Rundreise durch Israel. Beim gemeinsamen Wandern in der Wüste, dem Besuch der Shoa-Gedenkstätte Yad Vashem, dem Schweben im toten Meer, dem Besuch bei einer Familie in der Beduinenstadt Rahat, dem gemeinsamen Kochen oder dem Schlendern durch Tel Aviv wächst die Gruppe zusammen und die Jugendlichen lernen nicht nur Land und Leute kennen, sondern erlangen auch neue Perspektiven während sie Erfahrungen mit einer ihnen anfangs noch fremden Sprache, Religion, Landschaft und Kultur sammeln.

Bei der Rückbegegnung im Sommer trifft sich die Gruppe ein zweites Mal, um die Begegnungserfahrung zu vertiefen. Jetzt reist die Gruppe aus Neve Hanna nach Wiesbaden und wir hier von den Jugendlichen in Empfang genommen. Der kurze Begegnungsabstand von zwei Monaten ist bewusst so gewählt. Die Jugendlichen haben so die Möglichkeit die Erfahrungen aus der Begegnung gut zu verarbeiten, können eigene Entwicklungsschritte gehen, sich auf die Rückbegegnung vorbereiten und den Kontakt zueinander aufrechterhalten. Bei der Rückbegegnung kann so direkt an den vorherigen Erlebnissen angeknüpft werden, man ist sich noch sehr nah und vertraut.


Die ersten Tage verbringt die Gruppe in Wiesbaden, um den Jugendlichen aus Neve Hanna die Alltagsumgebung der Wiesbadener Jugendlichen zu zeigen. So besucht die Gruppe Moschee- und/oder Kirchengemeinden in Wiesbaden, in der Jugendliche aus der Gruppe Mitglieder sind, setzt sich mit lokalen Erinnerungsorten auseinander und besucht die Heinrich-von-Kleist-Schule. Danach begibt sich die Gruppe gemeinsam auf eine Reise, die in den letzten Jahren auf den Weg nach Berlin, seit 2017 findet die Begegnung in Hamburg ihren Abschluss. Sehr wichtig ist dabei der Rollenwechsel. Die Jugendlichen aus Wiesbaden sind nun die Gastgebenden. Diesmal ist es der Israelische Teil der Gruppe, für den besonders viele „erste Male“ auf dem Programm stehen. Und natürlich viele gemeinsame, so stehen ein Workshop Tag in der Gedenkstätte Bergen-Belsen, eine Übernachtung im Heuhotel, der Besuch eine Freizeitparks oder eine Kutschfahrt durchs Wattenmeer ebenso auf dem Programm, wie lokale Gedenkorte, gemeinsame Workshops und Sportangebote.

Die Teilnahme an Mail@More hinterlässt bei den Jugendlichen einen bleibenden Eindruck, und sie kehren jedes Mal als reifere junge Leute nach Hause zurück, als sie aufgebrochen sind. Oft halten die Jugendlichen auch nach den Begegnungen Kontakt über soziale Medien und viele denken Jahre später an die Erfahrungen zurück, wenn sie sich für ein freiwilliges Jahr im Ausland, eine Reise in ihnen unbekannte Länder oder eine herausfordernde Berufsausbildung entscheiden.

Projektleitung: Andrea Gotzel
Pädagogischer Mitarbeiter: Paul Henninger

Kooperationspartner:

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