Das Lied, das von sich selber singt …

Antisemitismus
Das Lied, das von sich selber singt …
Donnerstag, 06.10.2011, 19:00 Uhr

Über die Hoffnung, neue Erklärungsansätze für gesellschaftlich verankerte, unterschwellige Formen von Diskriminierungs- und Vorurteilsphänomenen (bei dem Vortrag über Antisemitismus thematisiert) zu finden, wurde mein Interesse an der Veranstaltung geweckt. Damit nicht alles Gehörte gleich wieder in Vergessenheit gerät, nutzte ich die Möglichkeit, mich an dieser sehr interessanten Idee der Berichterstattung zu beteiligen.

Die immer wieder erschreckenden Statistiken zu Beginn des Vortrags zeigen, dass ca. 10 % der BRD-Bevölkerung ‚eindeutig‘ als Antisemiten definiert werden können. Dabei stellte ich mir die Frage, wie viele Menschen sich ohne die öffentlich proklamierte Ächtung nationalsozialistischen Gedankenguts ähnlich geäußert hätten. Auf der Suche nach möglichen Ursachen wurde die Veränderlichkeit von Gesellschaften als Ausgangspunkt für die modernen Formen des Antisemitismus hervorgehoben, deren Ursprung in der Zeit der französischen Revolution zu finden sei. Die teilweise Verwirrung stiftende Interpretation über theoretische Grundlagen von Adorno, Horkheimer und Postone zielte m. E. auf die Erklärung einer Neigung des Menschen ab, komplizierte gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Prozesse so zu vereinfachen, dass die Ursachen für sie wieder erklärbar bzw. nachvollziehbar werden. Antisemitische Erklärungsansätze dienen demnach der Begründung abstrakter Eigenschaften des Kapitalismus und seinen Folgen.

Mit Blick auf Gegenwart und Zukunft würde das bedeuten, dass antisemitische Tendenzen keinesfalls rückläufig sein werden, da sich insbesondere die ökonomischen Strukturen in modernen Gesellschaften zunehmend verkomplizieren.

Der Referent hat deutlich gemacht, dass die öffentliche Darstellung unserer Gesellschaft als Gebilde, welches ein tolerantes und akzeptierendes Miteinander fördere, kontinuierlich dahin gehend hinterfragt werden muss, ob dieses Bild jemals gerechtfertigt war bzw. ist.

Aus praktischer Sicht sollte diejenige Angebotsvielfalt ausgebaut werden, die zur Bewusstwerdung der subjektiven Wahrnehmung und Vorurteilsbereitschaft beiträgt. Dieser Vortrag passte dementsprechend sehr gut in die Veranstaltungsreihe, denn Vielfalt, Anerkennung und Demokratie sind wichtige Voraussetzungen für die kritische Selbstreflexion.

Dieser Text entstand im Rahmen der Dokumentation von WIR in Wiesbaden – Vielfalt. Anerkennung. Demokratie 2012 und wurde von Ute Ledwoyt, der Stadtteilmanagerin von Kubis geschrieben.